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Pseudos

Über Pseudos im allgemeinen

Es ist schwer zu sagen, wie das ganze Pseudotum entstanden ist. Ich will an dieser Stelle versuchen, zu rekonstruieren, wie diese Szene entstanden ist.

Es war Anfang der 80-er Jahre, als Zeitungen herauskamen, die kostenlose private Anzeigen anboten. Um ein paar Beispiele zu nennen: Sperrmüll, Inserat, Alles, Findling (und noch ein paar weitere).

Die Pseudoszene startete nach heute vorherrschender Meinung mit einer Anzeige von Suppi (Suppenlöffel Francis) im Frankfurter Inserat: ”Einem geschenkten Gaul haut man nicht aufs Maul”. Die Szene hat sich in den diversen Anzeigenblättern fast gleichzeitig gebildet und weitere Scherzanzeigen wie etwa ”tausche Rolltreppe gegen Aufzug” oder ”Suche für Doktorarbeit Grashalme, 7 und 10 cm lang” lockerten den Anzeigeteil auf. Suppi war nach meiner Information jedenfalls der Erste.

Schnell erkannten die Verlage, dass es hier einen Markt gibt. Grußrubriken wurden eingerichtet: ”Manta-Fahrer grüßt Corsa-Fahrerin”, später folgten die Rubriken für die Pseudos. Das sind Leute, die allerlei Grüße, Blödsinn und Diskussionen unter einem Pseudonym veröffentlichten.

Diese Rubriken wuchsen mit der Zeit gewaltig an und so sahen sich die Verlage gezwungen, Textlimits und andere Beschränkungen einzuführen. So befanden sich z.B. in jeder Zeitung nur zwei oder drei Coupons (Q-Pong wurde zu einem stehenden Begriff in der Pseudoszene für eine Einzelnachricht). Wer viel zu schreiben hatte, musste Altpapierstapel nach ungebrauchten Coupons ausschlachten oder sich etwas anderes einfallen lassen. Zusätzlich wurden diese Anzeigenzeitungen im Laufe der Zeit teurer.

Die Szene (es gab inzwischen regelmäßige Treffen und Stammtische) brachte daraufhin eigene Hefte heraus: Meist zusammenkopierte Teile in Schülerzeitungsformat, jedoch von Pseudos für Pseudos und ohne jeden kommerziellen Anspruch. Das legendäre i/o (Inside/Out) wurde z.B. auf mehreren C64-ern erstellt. Manche werden sich noch an diese Homecomputer im Brotkastenformat erinnern...

Im Lauf der Zeit wurden die Pseudorubriken in so gut wie allen Anzeigenzeitungen geschlossen und Magazine wie das InsideOut, KommPost, Subway, PerPlex und wie-sie-alle-hießen fingen, so gut es ging, die Szene auf. Das Problem war nur, dass es ohne die Anzeigezeitungen an den Kiosks keinen “Nachwuchs” mehr gab und so stagnierte die Szene.

Für ein aussteigendes “Altpseudo” gab es nur selten ein “Neupseudo” und die Szene schrumpfte. Für die Pseudomagazine fanden sich keine Herausgeber mehr, wenn die bisherigen aufhören wollten und im Laufe der Jahre wurde ein um das andere Magazin eingestellt.

Jedoch sind die Pseudos nicht ausgestorben, sondern haben das Internet für sich entdeckt. Sie haben schon längst Chat-Räume und Foren im Internet unterwandert. Eine richtige ”Pseudozeitung” in elektronischer Form gibt es auch:

Pseudodrom

Soweit zu meinem Abriss über die Szene. Die Beispiele sind nicht vollständig und die Schilderungen nicht erschöpfend, aber dieser Text soll keine Doktorarbeit ersetzen. Sollte jedoch ein wesentlicher Fehler enthalten sein oder etwas wirklich wichtiges fehlen, so bitte ich um einen sachdienlichen Hinweis.

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